Zum Reformationsgedenken



Zum Reformationsgedenken

 

 

Am 31. Oktober 2017 feiert die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ihr Reformationsfest. Dieser Tag ist zum ersten Mal in Deutschland ein allgemeiner Feiertag. So hat es der Deutsche Bundestag am 18. Juni 2009 beschlossen.

Der Thesenanschlag Martin Luthers am 31. Oktober 1517 an der Schlosskirche zu Wittenberg gilt als Ausgangspunkt für die Reformation. Da am Ende der Reformation die Spaltung der Kirche stand, kann die Katholische Kirche nicht mitfeiern. Für sie ist der 31. Oktober 2017 ein Tag des Gedenkens.

Hunderte von Publikationen sind anlässlich dieses Reformationsjubiläums erschienen.

 

In diesem Beitrag für die „Kirchlichen Mitteilungen“ möchte ich die Frage Martin Luthers nach dem gnädigen Gott aufgreifen, die eigentlich von Heiligen Augustinus 1000 Jahre zuvor schon beantwortet wurde.

In der gemeinsamen Erklärung der Katholischen Kirche und des Lutherischen Weltbundes im Jahre 1999 in Augsburg wurde eine grundsätzliche Übereinstimmung zur Rechtfertigungslehre erzielt. Dort heißt es: „Gemeinsam bekennen wir: allein aus Gnade im Glauben an die Heilstat Christi, nicht aufgrund unseres Verdienstes, werden wir von Gott angenommen und empfangen den Heiligen Geist, der unsere Herzen erneuert und uns befähigt und aufruft zu guten Werken.“

Im Grunde wird dies jedem Erstkommunionkind gelehrt, wenn in der Vorbereitung auf die Erstbeichte vom Gleichnis Jesu vom Verlorenen Sohn und von Zachäus gesprochen wird.

 

Nach wie vor bedeutet vielen Menschen auch im 21. Jahrhundert die Botschaft von der Vergebung der Sünden sehr viel. Und doch hat sich in den letzten Jahrzehnten und überhaupt in der Neuzeit vieles bei den Menschen verändert. Schon Pico della Mirandola (1463–1494) sprach davon, dass der Mensch das Maß aller Dinge sei. Das war die Denkweise vieler in den folgenden Jahrhunderten. Die Frage Martin Luthers lautete: Wie bekomme ich einen gnädigen Gott? Heute fragen nicht wenige: Brauche ich noch einen gnädigen Gott? In abgewandelter Weise kann man diese Frage so stellen: Brauchen die Menschen einen Gott, der ihnen zugewandt ist, einen Gott, dem am Menschen unendlich viel liegt?

Die Antwort des Christen kann nur lauten: Auf diesen Gott sind wir Menschen unbedingt angewiesen. Gott begründet nämlich den Wert und die unantastbare Würde des Menschen. Der Mensch ist Geschöpf Gottes. Mit der Menschwerdung Gottes hat der Mensch Anteil am Göttlichen. Gott gibt Antwort auf die Frage, wie wir Menschen das Leben verstehen sollen. Und nur ein liebender Schöpfergott kann den irdischen Tod überwinden und ewiges Leben schenken.

 

Friedrich Nietzsche (1844-1900) hat erkannt, was es bedeutet, wenn der Glaube an einen dem Menschen zugewandten Gott wegbricht. In seinem Buch „Die Fröhliche Wissenschaft“ ist die Geschichte „Der tolle Mensch“ eingefügt. Darin spricht er in Bildern von der von der Sonne losgeketteten Erde, vom weggewischten Horizont, vom ausgetrunkenen Meer, vom Stürzen nach allen Seiten und von der wachsenden Wüste.

 

Die Kirchen sind nicht für sich selber da. Bei allen ungelösten Glaubensfragen, die der vollen Einheit der christlichen Kirchen im Wege stehen, bleibt der gemeinsame Auftrag, vom menschgewordenen Gott in Jesus Christus Zeugnis zu geben, im Interesse des Menschen und zu seinem „Heil“ (Glaubensbekenntnis).

 

 

Hermann Knoblauch

Pfarrer