Die betende Gemeinde unterwegs


Foto: Fam. Katzer



Bischof Dr. Georg Moser, der im Mai 1988 verstorben ist, sagte einmal in einem Vortrag über die Besonderheiten einer Kirchengemeinde, dass eine Kirchengemeinde auch eine betende Gemeinde sein soll.

Diese Erwartung wird erfüllt in den privaten Gebeten und in den Gebeten in Gemeinschaft, im täglichen Rosenkranz in der Kirche, in den Fürbitten und vor allem aber im bevorstehenden Bittgang nach Himmlingen und bei der Ösch- bzw. (Flur)prozession an Christi Himmelfahrt.

 

Bei der Öschprozession an Christi Himmelfahrt beten wir um den Segen für unsere Arbeit, um Vertrauen und Gelassenheit, um Bewahrung und Sicherheit auf allen Straßen sowie um Gerechtigkeit und Frieden in der Welt.

 

In der Bergpredigt sagte Jesus: „Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet.“ (Mt 7,7)

 

Kann ein Mensch, der um die Naturgesetze weiß, sich auf die Einladung Jesu einlassen: „Bittet, dann wird euch gegeben?“

Diese Frage möchte ich mit einem klaren Ja beantworten. Mich ermutigt die Geschichte von der kanaanäischen Frau, die Jesus zunächst abweist, der Jesus aber dann nach ihrem hartnäckigen Verlangen und aufgrund ihres tiefen Glaubens hilft. So steht es in Kapital 15 des Matthäusevangeliums. Wer im Gebet bittet, gibt sich nicht einfach zufrieden mit dem Ist-Zustand. Im Bittgebet dürfen wir mit dem Eingreifen Gottes in die Wirklichkeit rechnen. Er ist der Herr der Welt und der Geschichte.

 

Das Bittgebet ist auch deshalb sinnvoll, weil ein Mensch, der Not leidet und sich in dieser Not an Gott wendet, sich aufgefangen fühlt. Er wendet sich ja an einen persönlichen Gott, von dem er sein Leben hat und der ihn bisher in seinem Leben gut geführt hat.

 

Im Bittgebet kommt ein Mensch in Kontakt mit Gott, der Trost, Kraft und inneren Frieden schenkt. „Gebete verändern die Menschen. Und die Menschen verändern die Welt.“( Albert Schweitzer)

 

 

Bei Bittgebeten sollte aber immer wieder vertrauensvoll hinzugefügt werden: „Dein Wille geschehe“. So hat es Jesus vorgemacht. In der Todesangst am Ölberg betet er: „Vater, wenn du willst, nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen! Da erschien ihm ein Engel vom Himmel und gab ihm (neue) Kraft.“ (Lk 22,42f)

 

 

Pfarrer

Hermann Knoblauch